Ich möchte mit Musik berühren
Albin Rudisch ist Komponist und Musiker – und das aus ganzer Leidenschaft. Weshalb er für Musik brennt und bei den heurigen Passionsspielen für die passende Untermalung sorgt, erzählt er in einem Gespräch, das Christopher Erben aufgezeichnet hat.
„Ich brauche Musik immer um mich herum“, sagt Albin Rudisch. „Sie ist seit Jahren ein Teil von mir.“ Ohne sie würde ihm etwas fehlen. Hauptberuflich arbeitet der promovierte Molekularbiologe bei einem Pharmaunternehmen in Wien. Er ist zwar gebürtiger Wiener, jedoch hat er vor Jahren nach St. Margarethen geheiratet. Auch seine Frau ist in derselben Branche tätig. Mit ihr hat der 39-Jährige zwei Buben.
Albin Rudisch: Musik ist genau das Meine. Ich interpretiere, komponiere, dirigiereund arrangiere sie. Szenen aus einem Stück zu begleiten, reizt mich besonders. Bei den Passionsspielen kann ich mich daher entfalten. Als deren Vorstand auf der Suche nach einem Komponisten war, kam er auf mich zu, weil ich im Ort beim Streicherensemble und Musikverein mitwirke. Ich habe ihm daraufhin einige Demos vorgestellt, von denen er so begeistert war, dass ich den Auftrag bekommen habe und zu komponieren begann. Entstanden sind in etwa 20 Stücke, die ich auf die jeweiligen Charaktere abgestimmt habe. Mirjam soll etwa leicht und lieblich sein. Diese Stimmung erzeuge ich mit einer Querflöte. Eine Blechbläser-Fanfare kündigt Pilatus an. Das Thema des Kajaphas wird von einer Oboe interpretiert.
Doch wo komponiere ich gerne? Vor allem im Urlaub und daheim. Dort bin ich am produktivsten, weil ich ungestört arbeiten kann und mein Kopf frei von allem ist. Zuerst überlege ich mir eine Hauptmelodie, die ich singe und mit dem Handy aufnehme. Entweder verwerfe ich das Thema, wenn es mir nicht gefällt, sofort, oder ich entwickle es weiter.
Anschließend schmücke ich es aus und schreibe die Noten für die Instrumente. Komponieren ist für mich wie das Malen eines Bildes, das sich mit jedem Strich langsam entwickelt. Bei der Aufnahme des Stückes hängt es vor allem davon ab, Arrangement und Lautstärke dabei so abzustimmen, dass die Summe aller Töne ein ausgewogenes Klangbild ergibt. Das Thema soll durch das Stück getragen; die Tonabfolge leicht verstanden werden. Hans Zimmer (Anm.: ein deutscher Filmkomponist) ist einer meiner Vorbilder, weil der mit dem Klang experimentiert und wiederkehrende Themen perfekt umsetzen kann. Das stellte er bei Pearl Harbour, Gladiator und Batman unter Beweis.
Derzeit bin ich bei jeder Probe dabei, um in den Szenen etwaige Korrekturen vorzunehmen und am Feinschliff zu arbeiten. Aber nicht nur das: Auch sollen sich die Darsteller dabei an die Stücke gewöhnen und sie kennenlernen. Während der Aufführung wird die Musik jedoch nicht live aufgeführt, was schade ist, jedoch wäre der Aufwand dafür viel zu hoch.
Trotzdem sind alle meine Stücke so geschrieben, dass sie nicht nur am Laptop gut klingen, sondern jederzeit mit einem Orchester aufgeführt und gesungen werden können, was auch bereits geschah. Jede Besucher:in soll sich auf das Gesamterlebnis bei den Passionsspielen einlassen. Mit der Musik trage ich dazu bei. Mit ihr möchte ich sie emotional berühren. Wenn mir das gelingt, habe ich mein Ziel erreicht. Und wenn sie eine Melodie aus einem Stück nach der Aufführung summen, freue ich mich umso mehr.