Eine Hauptrolle in meinem Leben
Rupert Kugler (45) ist bereits seit frühester Kindheit Laiendarsteller bei den Passionsspielen in St. Margarethen. Weshalb er sich sein Leben ohne sie nicht vorstellen kann, erzählt er in einem Gespräch, das Christopher Erben aufgezeichnet hat.
„Meine Rolle als Jesus hat Einfluss auf mein ganzes Leben“, sagt Rupert Kugler, Laiendarsteller bei den Passionsspielen in St. Margarethen. Im Jahr 2015 wurde er während eines Praktikums in den USA vom damaligen Pfarrer und Spielleiter Georg Lang gefragt, ob er in diese Rolle im Steinbruch schlüpfen möchte – und er sagt sofort zu. Im kommenden Jahr verkörpert er die zentrale Figur der Passion bereits zum dritten Mal.
Rupert Kugler: Ja, die Passionsspiele in St. Margarethen nehmen eine wichtige Rolle in meinem Leben ein. Keine Frage. Sie sind ein Teil von mir. Menschen hier jeden Alters zu begegnen und das Miteinander zu spüren, ist eine wunderbare Erfahrung. Seit meinem fünften Lebensjahr gehöre ich dazu. Es freut mich deshalb, dass sich so viele junge Menschen für die Spiele begeistern. Alle Mitwirkenden bringen dafürjede Menge Zeit, Aufwand und Geduld auf, um als Laiendarsteller ein Stück auf die Bühne zu bringen.
Die Proben sind für das Ensemble entscheidend, weil es dabei erfährt, wie es nach außen wirkt und wie es sich nach und nach verbessern kann. Unser Regisseur führt uns professionell und bereitet uns auf die Aufführungen gezielt vor. Den Text lerne ich hingegen daheim, da ich für ihn viel Zeit und Ruhe brauche.
Man ist in dieser Rolle immer im Agieren und Spielen; im Fokus des Zuschauers. Als Schauspieler stehst du permanent unter Spannung, weil du involviert bist. Wenn man selbst mitmacht, ist man involviert statt nur Besucher einer Aufführung.
Durch das Mitspielen werden die Texte und Vorgänge einer heiligen Messe mit Leben erfüllt und erhalten Bezug und Tiefe. Das erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Jesus angemessen zu verkörpern, soweit das überhaupt ein Anspruch sein kann,
erfordert und bewirkt ein Eintauchen in den eigenen Glauben bzw. eine Auseinandersetzung damit. Mit Jesus ein paar Worte nach der Aufführung zu wechseln, begeistert die Besucher:innen zusätzlich, die auch mich motivieren und die Anstrengung belohnen.
Für meine Familie sind die Passionsspiele ein Teil ihres Lebens. Aber nicht nur ich, der ich seit 1986 mitwirke. Mein Vater war zum Beispiel gemeinsam mit Franz Miehl eine treibende Kraft bei der Reaktivierung von Spielen in Osteuropa und der Etablierung der „Europassion“, einem Zusammenschluss dutzender europäischer Passionsspiele.
Dadurch war es mir vergönnt, immer wieder an Treffen der Europassion oder der „Europassion der Jugend“ teilzunehmen. Das tue ich noch immer mit großer Freude. Es ist eine Begegnung in Jesus über Grenzen hinweg. Dass auch der Glaube bei jeder Aufführung in St. Margarethen mitspielt, brauche ich nicht extra zu erwähnen. Er trägt mich. Ich erlebe diesen nicht als abstrakte Idee, sondern als lebendiges Element und setze mich mit ihm kritisch auseinander, was mir gut tut. Er ist nicht nur Theorie, sondern auch gelebte Praxis – besonders bei den Passionsspielen.
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