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19.06.2026
Wallfahrt

Große Augen, ein Kuschelschaf und ein Ziegelstein: 400 Kinder feiern die Kroatische Kinderwallfahrt in Eisenstadt

Fröhliches Kinderlachen erfüllte am gestrigen Tag das Franziskanerkloster in Eisenstadt: Rund 400 Schülerinnen und Schüler kamen gemeinsam mit ihren Lehrkräften zur traditionellen Kroatischen Kinderwallfahrt in die burgenländische Landeshauptstadt. Bereits zu Beginn der Feier herrschte ausgelassene Stimmung als die Kinder gemeinsam mit Diözesanbischof Ägidius Zsifkovics den ersten Sieg Österreichs bei der Weltmeisterschaft bejubelten.

 

Anschließend rückte der eigentliche Anlass des Treffens in den Mittelpunkt. Bischof Ägidius hatte die jungen Wallfahrerinnen und Wallfahrer eingeladen, gemeinsam eines besonderen Jubiläums zu gedenken: Vor genau 800 Jahren starb der heilige Franz von Assisi. Anstatt einer klassischen Predigt begab sich die große Gemeinschaft auf eine anschauliche Entdeckungsreise durch Leben und Wirken des Heiligen – vermittelt durch drei eindrucksvolle Symbole, die seine Botschaft auf besondere Weise erfahrbar machten.
 
Ein Blick, der das Leben verändert: Das Kreuz mit den großen Augen
Als erstes Symbol lenkte der Bischof die Aufmerksamkeit der Kinder auf das große Franziskuskreuz im Altarraum. Er erzählte von jener entscheidenden Begegnung des heiligen Franziskus mit dem Kreuz von San Damiano in einer verfallenen Kirche bei Assisi. Obwohl Franziskus damals in Wohlstand lebte und nach den Maßstäben seiner Zeit alles besaß, was als erstrebenswert galt, blieb sein Herz unerfüllt. Erst die Begegnung mit Christus schenkte seinem Leben eine neue Richtung.
 
Bischof Ägidius lud die Kinder ein, das Kreuz aufmerksam zu betrachten: "Wenn ihr genau hinschaut, dann seht ihr, dass Jesus hier ganz große Augen hat. Er schaut uns an. Das ist die wichtigste Botschaft: Jesus sieht uns, er kennt uns und verliert uns nie aus dem Blick." Dieser liebevolle Blick habe auch Franziskus tief berührt und ihn dazu bewegt, sein Leben grundlegend zu verändern.

 

Das Geheimnis des Kuschelschafs: Trost, Vertrauen und Verantwortung

Für das zweite Symbol zog der Bischof ein flauschiges Kuschelschaf hervor – was auf Begeisterung der Kinder stieß, die sich sogleich mit dem Tier anfreundeten. Nachdem bereits der berühmte Sonnengesang des heiligen Franziskus gemeinsam gesungen worden war, erinnerte Bischof Ägidius daran, wie sehr Franziskus die Tiere und die gesamte Schöpfung liebte.
Gleichzeitig verdeutlichte das Kuschelschaf eine Erfahrung, die viele Kinder aus ihrem Alltag kennen: Es spendet Trost, schenkt Geborgenheit und bewahrt Geheimnisse. "Wenn wir Angst haben, nehmen wir unser Kuscheltier in die Arme. Wenn wir Trost brauchen, ist es für uns da. Und manchmal erzählen wir ihm Dinge, die niemand sonst erfahren soll", erklärte der Bischof.
 
Von diesem vertrauten Bild aus schlug er die Brücke zu einer wichtigen Botschaft für die Zukunft: Die Schöpfung Gottes ist ein kostbares Geschenk, das bewahrt werden muss. Jeder Mensch trage Verantwortung dafür, sorgsam mit der Erde umzugehen und sie für kommende Generationen zu erhalten.

 

Die Baustelle Gottes: Ein alter Ziegelstein erzählt

Das dritte Symbol wirkte auf den ersten Blick unscheinbar: ein alter, abgebrochener Ziegelstein. Doch gerade dieser führte die Kinder zu einer der zentralen Botschaften des heiligen Franziskus. Der Stein erinnerte an den Augenblick, als Franziskus in der Ruine von San Damiano den Auftrag Christi vernahm: "Baue meine Kirche wieder auf."
 
Zunächst verstand Franziskus diesen Ruf ganz wörtlich. Mit großem Eifer begann er, das verfallene Kirchengebäude Stein für Stein zu erneuern. Doch schon bald erkannte er, dass Christus weit mehr meinte als Mauern und Gebäude. Es ging um die Erneuerung der Menschen und der Kirche selbst.
 
Bischof Ägidius machte den Kindern diesen Gedanken anschaulich verständlich: Kirche bestehe nicht allein aus Steinen, sondern vor allem aus Menschen. Jeder Einzelne sei ein lebendiger Baustein der Gemeinschaft. Würde man aus einer Mauer einzelne Steine entfernen, entstünden zunächst Lücken; fehlten schließlich zu viele, drohe das ganze Bauwerk einzustürzen. Ebenso sei jeder Mensch wichtig für das Zusammenleben in Kirche und Gesellschaft.
 
Die Botschaft des heiligen Franziskus sei deshalb bis heute aktuell: Niemand ist ein bedeutungsloser Stein. Jeder Mensch besitzt besondere Talente und Fähigkeiten, die dazu beitragen können, eine starke Gemeinschaft und eine lebenswerte Zukunft aufzubauen.

 

Ein fröhlicher Ausklang im Wolfgarten

Nach dem Gottesdienst war die Freude der Kinder unübersehbar. Im Garten des Wolfgartens warteten eine wohlverdiente Stärkung sowie zahlreiche Spiel- und Bewegungsstationen auf die jungen Wallfahrerinnen und Wallfahrer. Mit viel Lachen, Gemeinschaft und fröhlicher Ausgelassenheit fand ein erlebnisreicher Tag seinen gelungenen Abschluss.