Fastenzeit: Unterbrechung mit Tiefgang
Gedanken von Diözesanbischof Ägidius J. Zsifkovics
Die Fastenzeit wirkt auf den ersten Blick wie ein Relikt aus einer anderen Zeit – verbunden mit Verboten, Verzicht und strengen Regeln. Doch ihr eigentlicher Kern ist erstaunlich aktuell. In einer Welt, die immer schneller, lauter und voller wird, setzt sie bewusst auf Unterbrechung. Fasten heißt nicht zuerst: etwas nicht dürfen. Es heißt: innehalten, prüfen, neu ausrichten.
Gerade darin liegt ihre spirituelle Kraft. Wer bewusst weniger konsumiert, merkt oft, wie viel selbstverständlich geworden ist. Wer sich Pausen gönnt, spürt, wie wohltuend Stille sein kann. Und wer Gewohnheiten hinterfragt, entdeckt vielleicht neue Freiheiten. Die Fastenzeit lädt dazu ein, das Leben nicht nur „durchzuhalten“, sondern wieder bewusster zu gestalten.
Dabei geht es nicht um Perfektion. Vielmehr um eine Haltung: achtsam werden für das, was trägt. Viele Menschen deuten das Fasten heute neu – als Medienfasten, als nachhaltigen Lebensstil oder als Zeit der Entschleunigung. Der Gedanke dahinter bleibt derselbe: Weniger kann mehr sein. Wer loslässt, schafft Raum. Und wer sich unterbricht, kann dem eigenen Leben wieder tiefer begegnen.