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30.06.2026

Predigt zur Diakonenweihe

Liebe Mitbrüder im bischöflichen Dienst – unser Gast und ehemaliger Stipendiat aus Kerala Erzbischof Thomas von Changanacherry – Schön, dass du da bist und mit uns feierst!

Liebe Mitbrüder im priesterlichen und diakonalen Dienst!

Liebe Ordensleute und Seminaristen mit der Vorstehung!

Lieber Weihekandidat Thomas mit Deinen lieben Eltern, Bruder, Verwandten, Freunden und Wegbegleitern – besonders grüße ich Deinen lieben Großvater, der mit uns über das Livestreaming verbunden ist!

Liebe Gläubige aus den Heimatpfarren Eisenstadt-Dompfarre & Ober berg sowie aus den Praktikumspfarren Zagreb-Dubrava, wo Du Dein Externjahr machtest sowie Deutschkreutz + Neckenmarkt, wo Du derzeit bist – ein Grüß Gott an die Neckenmarkter Fahnenschwinger! Liebe Schwestern und Brüder hier im Martinsdom und alle, die mit uns über das Livestreaming mitfeiern! 

 

Der Tag der Diakonenweihe ist für jeden Weihekandidaten – so auch für Dich, lieber Thomas, ein großer, einmaliger und bedeutender Tag. Dieser Tag ist aber auch für unsere Diözese und für mich als Bischof ein Tag der Freude und des Dankes nach einer langen, schmerzlichen Durststrecke ohne Diakonen- und Priesterweihen für unsere Diözese. Weihen zum Diakon u. Priester sind Gradmesser für die Lebendigkeit einer Ortskirche/Diözese. Und manche Hoffnungen, die wir in junge Männer in den letzten Jahren gesetzt haben, sind leider nicht in Erfüllung gegangen, auch das muss heute gesagt sein dürfen. 
Die Weihe zum Diakon auf dem Weg zur Priesterweihe ist nicht einfach eine niedere Weihestufe, die das Kirchenrecht vorschreibt. Sie ist das Fundament, auf dem alle anderen Weihen – die Priester- und Bischofsweihe – aufbauen. Sie ist die Voraussetzung für alles Tun der Kirche und Maßstab ihrer Glaubwürdigkeit. Ohne diakonalen Dienst – und das ist nicht eine Funktion – wird die Liturgie abgehoben und fremd, die Verkündigung leer und kraftlos, wird die Kirche fremd. Der Dienst des Diakons ist keine Lehrformel, kein Katechismus, keine Wichtigtuerei, sondern ein Auftrag Christi. Dieser Auftrag trifft alle, die in der Kirche und als Kirche arbeiten und für die Menschen da sind. Als „Diener der Freude“ teilen sie das Leben der Menschen – ihre Freude und Hoffnung, Trauer und Angst, Erfolge und Scheitern. 


So gesehen leben wir heute wohl in aufregenden Zeiten mit Krisen, Kriegen, Skandalen, Um- und Abbrüchen in Kirche und Gesellschaft. Wir stehen mitten in der Fußball-WM, wo Millionen Menschen/Fans jubeln und gemeinsam feiern, aber auch leiden, eine Achterbahn der Gefühle erleben: Einsatz, Enttäuschung, Hoffnung, Siegeswillen.

 

Was hat die Fußball-WM mit der heutigen Diakonenweihe zu tun?

Die Fußball-WM zeigt mir Parallelen zwischen dem, was auf den Fußballplätzen, den Kirchenplätzen und den Lebensplätzen abläuft. Auch Du bist ein Fußballfan, Du bist gerne im Stadion, allerdings, wie Du sagst, ein „passionierter Passivsportler“. Wenn Du aber heute zum Diakon geweiht wirst, betrittst Du nicht das Spielfeld als Zuschauer, sondern Du wirst nun zum aktiven Spieler in Jesu Team. Du wirst zum Spielmacher, Stürmer, Verteidiger, Flankengeber für die Menschen. 


Ein guter Fußballer zeichnet sich durch 3 Dinge aus, und diese möchte ich Dir als Auftrag u. Wunsch für Deinen diakonalen Dienst mitgeben.

 

Der Fußballer muss zunächst den Ball annehmen und weiterspielen.

Du hast Dir Deine Berufung nicht selbst gegeben, sie ist Dir geschenkt und Du hast dieses Geschenk angenommen. Gott hat Dir den Ball zugespielt. Er vertraut Dir seine Botschaft an. Deine Aufgabe ist es nun, diesen Ball nicht festzuhalten, egoistisch mit ihm zu spielen, sondern zu verkünden – durch Predigt, mehr noch durch Dein Leben und Tun, Deine Hilfsbereitschaft, Zuwendung zu den Menschen im Alltag. Manches hast Du auf Deinem bisherigen Weg schon getan, was Deine Augen für diesen wertvollen Dienst geöffnet hat: Das Sozialpraktikum im Tageszentrum „Wärmestube“ für die Menschen in Wohnungsnot, Dein mehrwöchiger Aufenthalt im Heiligen Land, Dein Externjahr und pfarrliche Mitarbeit in Zagreb, Dein Einsatz für die Übertragungen der TV-Gottesdienste aus unserer Diözese, Deine Zeremoniärsdienste und Dein damit verbundenes Bemühen um die Schönheit der Liturgie, Dein derzeitiges Pastoralpraktikum in den Pfarren Deutschkreutz und Neckenmarkt, Dein erfolgreiches Studium an der Universität Wien; Dein Interesse an der Ökumene, das mit Deiner Diplomarbeit gezeigt wird, Dein nicht immer spannungsfreier Weg im Priesterseminar, Dein Glauben und Zweifeln, Dein Suchen und Finden – das alles gehört zu Deinem Weg! All das ist für mich ein deutliches Zeichen, dass Du den Dir von Gott zugespielten Ball angenommen hast und nun als Diakon mit ihm noch intensiver, gezielter, engagierter weiterspielen sollst. 

 

Der Fußballer muss ein kreativer und fairer Teamplayer sein.

Wir alle wissen, ein Fußballspiel gewinnt man nie allein. Es braucht alle: Tormann, Verteidiger, Stürmer, Kapitän, Schiedsrichter, Trainer. Sie alle sind auch in der Kirche zu finden, bei den Aposteln, Heiligen, in den verschiedenen Diensten von Männern und Frauen, unter Diakonen, Priestern, Bischöfen und Päpsten – Petrus, Paulus, Thomas, Martinus, Franz v. Assisi, Johannes XXIII., Johannes Paul II., Mutter Theresa und viele andere. Immer ist es der Teamgeist, der eine gute Mannschaft ausmacht: Das Zusammenspiel, die Aufmerksamkeit füreinander, die Rücksicht aufeinander, die Vielfalt der Talente, das gemeinsame Ziel, die Freude am Gewinnen und die Ermutigung beim Verlieren. Und alle müssen dafür trainieren, immer wieder von Neuem anfangen und lernen, ohne Training, ohne Weiterbildung in Theologie, Spiritualität, Kirchlichkeit, im Humanum geht es nicht! Lieber Thomas, vergiss nie: Du bist Teil eines großen Teams – der Kirche, Diözese, Dekanats, Seelsorgeraums, der Pfarre, dorthin bist Du gestellt und gesandt, nicht als Einzelkämpfer, sondern als Teamplayer. Dein Kapitän ist Jesus Christus. Im Evangelium gibt er die Taktik an. In den Sakramenten erhältst Du die Heilsmittel für die Menschen. Als Diakon bist Du gerufen, Christus zu verkünden, nicht Dich selber, die Armen nicht zu vergessen, Brücken zu bauen und Spannungen abzutragen, Teamplayer zu sein und den Zusammenhalt zu stärken. 


Liebe Mitbrüder im geistlichen Dienst, die Diakonenweihe ist auch eine Anfrage an uns: Bin ich nur ein passiver Zuschauer, frustrierter, zynischer und ausgebrannter Nörgler und Kritiker oder ein aktiver, kreativer, fairer Teamplayer in Jesu Mannschaft, seiner Kirche? 

 

Der Fußballer muss sich auf dem Spielfeld richtig positionieren.

Im Fußball gewinnt man keine Spiele, wenn man nur im eigenen Strafraum, in der eigenen Hälfte bleibt. Man muss rausgehen, wagen. Als Diakon sollst auch Du – wie die Fußballer – rausgehen aus der eigenen Hälfte, Komfortzone, an die Ränder der Gesellschaft, wo sich das Leben der Menschen abspielt: bei den Suchenden, Einsamen, Kranken, Erschöpften. Dein Platz ist mitten im Leben der Menschen, dort ist Deine richtige Positionierung am Spielfeld der Nächstenliebe, weder am linken, noch am rechten Rand in Kirche und Gesellschaft! Gerade heute braucht unsere Kirche und Gesellschaft Menschen, die hören, sehen, anpacken, nicht nur passive Zuschauer, sondern aktive Diener der Freude und des Lebens, echte Diakone. Die Kraft dazu holst Du Dir aus der „Kabine und Kantine der Kirche“: der Hl. Schrift, im Gebet-Stundengebet, in der Feier der Eucharistie u. Sakramente. 


Beim Endspiel der Fußball-WM am 19. Juli wird es einen Sieger und Verlierer geben. Beim Spiel der Mannschaft Jesu geht es nicht um Punkte oder Sieg über andere. Jesu Ziel ist es, dass alle Menschen gerettet werden und den Glauben als Gewinn für ihr Leben erfahren. Dafür braucht Jesus Dich, lieber Thomas, als seinen Mitspieler. Er gibt Dir im Alltag die nötige Kraft, Ausdauer und Rückendeckung. 


Lieber Thomas, nimm den Dir von Gott zugespielten Ball an und spiel im Teamgeist der Synodalität weiter, wissend um Deinen Platz am Spielfeld in Kirche und Gesellschaft – die Übergabe des Evangeliars als Inhalt und Maßstab Deiner Verkündigung, der Dalmatik als Trikot und des Friedensgrußes als Dauerauftrag und aus aktuellen Gründen dazu noch eines Balls inmitten der Fußball-WM und des Franziskuskreuzes in seinem Jubiläumsjahr sollen Dich an Deine heutige Weihe und an Deinen Dienst als Diakon erinnern! 
Gottes Heiliger Geist, um den wir jetzt gemeinsam bitten, schenke Dir Freude, Kreativität, Mut, Ausdauer, bei Verwundungen, Niederlagen und Fauls beim Spiel auf den Fußballplätzen des Lebens und am Platz der Kirche Heilung und die Kraft zum Aufstehen und Weiterspielen. 


Lieber Thomas, heute beginnt für Dich das Match in Jesu Mannschaft und im Team seiner Kirche und ich darf als Dein Bischof nun mit Dir den Ankick hier im Dom machen. Gott spielt Dir jetzt den Ball zu – nimm ihn an, spiel mit ihm im Team unserer Diözese weiter, indem Du wie Paulus den guten Kampf kämpfst und wie Petrus den Herrn an Deiner Seite weißt und ihn im Alltag glaubwürdig bekennst!

Amen. 

 

Ägidius Zsifkovics

Bischof von Eisenstadt