Chrisammesse 2026: Homilie von Bischof Zsifkovics
In seiner Homilie zur Chrisammesse 2026 erinnert Bischof Zsifkovics an Franz von Assisi, die Bedeutung der heiligen Öle und den Auftrag, Kirche konkret aufzubauen. Martinsdom, Eisenstadt, am 1. April 2026
Liebe Mitbrüder Priester und Diakone,
Liebe Ordensschwestern und Ordensbrüder, Liebe Seminaristen,
Liebe Ministrantinnen und Ministranten,
Liebe Mitfeiernde hier im Martinsdom und über das Livestream!
Wir feiern heute die Chrisam-Messe, wie in allen Diözesen der Weltkirche, in der Karwoche, um die heiligen Öle zu weihen – das Katechumenenöl, das Krankenöl und den heiligen Chrisam. Heuer feiern wir die Chrisam-Messe im Jubiläumsjahr des heiligen Franz von Assisi, das an seinen 800. Todestag erinnert. Es ist ein besonderes Jahr für die gesamte Kirche. Der Poverello, der Arme von Assisi, der von vielen Menschen, auch Kirchenfernen, verehrt wird, ist wie kaum ein anderer Heiliger zur „Ikone Christi“ geworden. Ich lade Euch alle, besonders die Ministrantinnen und Ministranten ein, nun in dieser Predigt gemeinsam mit mir über diesen „alten“ und zugleich „modernen“ Heiligen nachzudenken.
„Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Diese Worte sprach Christus vom Kreuz herab zum hl. Franziskus 1205 in der verfallenen Kirche von San Damiano. Viele kennen das „Kreuz von San Damiano“. Wir haben es bei uns hier im Dom aufgestellt zum Gedenken an das Jubiläum. Als Jugendlicher suchte Franz von Assisi nach dem Sinn des Lebens. Dieses Suchen machte ihn neugierig auf Gott. Seine Offenheit für Gott ließ ihn auf Christus am Kreuz schauen, Christus schaute ihn mit großen Augen an, redete zu ihm, sein Blick ließ ihn nie mehr los. Diese Begegnung mit Christus ist nicht nur für uns Priester, Diakone und Ordensleute, sondern für alle Getauften und Gefirmten, auch für Euch Ministrantinnen und Ministranten wichtig.Ermöglichen wir Gott, unser Herz zu berühren, im Blick auf diesen Jesus am Kreuz. In der Karwoche soll dies keine Fleißaufgabe sein.
Woran erinnert uns der hl. Franziskus und das „Assisi-Kreuz?“
Erstens: Die Berufung des hl. Franz von Assisi.
Er richtet seinen Blick auf den Gekreuzigten und begegnet dem Auferstandenen. Wir kennen in unserem Kulturkreis Kreuzesdarstellungen, die vor allem das Leiden betonen. Auch das hat seine Berechtigung. In der romanischen und byzantinischen Tradition wird Christus am Kreuz als der Auferstandene dargestellt, als der, der über den Tod triumphiert. Christus leidet und stirbt für uns, er eröffnet das Leben, er heilt alle Verwundungen und Leiden. Jesus schließlich spricht zu ihm: „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf“. Der hl. Franziskus nahm diesen Auftrag wörtlich und renovierte die kleine Kirche von San Damiano. Wir können aus dieser Erzählung lernen: Der Christ packt an. Christen schauen nicht weg, sie versuchen da zu sein, wo sie gebraucht werden. Auch der Dienst der Ministranten ist ein Dienst des Hinschauens und des Anpackens. Als Bischof danke ich Euch von Herzen dafür!
Die Begegnung mit dem Aussätzigen.
Das führt uns, zweitens, zum nächsten einschneidenden Erlebnis im Leben des Heiligen: Die Begegnung mit dem Aussätzigen. Lepra war für die Menschen immer ein Todesurteil. Leprakranke wurden von der Gesellschaft ausgestoßen, jeder Kontakt zu ihnen war verboten. Franziskus aber, geleitet von der Liebe zu Gott und zu den Menschen, umarmt den Aussätzigen. Diese Begegnung ist für ihn der Anfang, das Leben der Armen zu teilen und so Christus radikal nachzufolgen.
Oft gehen wir an Kranken und Leidenden vorbei, an Mitschülern und Arbeitskollegen. Verlernen wir in unserer digitalisierten und technokratischen Welt nicht die Fähigkeit auf das konkrete Leben hinzuschauen, auf seine Wunden und Verwundungen, aber auch mitzuleiden und zu heilen. Papst Franziskus hat die Kirche mit einem Feldlazarett verglichen, er ermutigt, zu sehen u. anzufassen. Mit dem hl. Franz von Assissi dürfen auch wir uns den Wunden und Verwundungen zuwenden. Kriege, Leid, Ängste, Streit, Einsamkeit, Spaltung, Sucht, das sich Verlieren in eine künstliche und digitale Welt, bei Jungen und bei Alten, sind bedrückende Wirklichkeit. Christen werden gebraucht, umso mehr, je mehr Gott aus unserer Gesellschaft verschwindet. Die hl. Öle sind Werkzeuge, um Wunden und Verwundungen zu heilen und Frieden zu stiften! Das nicht restaurierte Franziskuskreuz hier im Dom will uns ganz bewusst an unsere Verwundungen erinnern und zum Heilungsdienst einladen.
Drittens geht es um die Erneuerung der Kirche.
Der hl. Franziskus hat begriffen, dass es um mehr geht als um den Wiederaufbau einer kleinen Kirche. Der Franziskanerorden, der auch in unserer Diözese viel Gutes gewirkt hat und tut, ist eine besondere Frucht dieser Berufung. Der franziskanische Geist ist Offenheit für das Wesentliche, das Konkrete, das Einfache, Arme. Wir alle sind durch die Taufe zum Aufbau der Kirche berufen. Auch Ihr, liebe Ministrantinnen u. Ministranten seid von Gott gerufen, die Kirche mitzubauen und Eure Talente und Fähigkeiten einzusetzen. Die Berufung zum Priester, zur Ordensfrau und zum Ordensmann, zum Diakon und zu anderen kirchlichen Berufen, sollte Euch und uns allen nicht fremd sein. Bitte verschließen wir Gott nicht die Tür!
Die heiligen Öle, die wir heute weihen, heiligen uns, sie bauen die Kirche auf. Liebe Mitbrüder und liebe Mitfeiernde, der hl. Franz von Assisi kann unser Leben berühren, damit es gut und heilsam wird.
Das Jubiläum des 800. Todestages des hl. Franz von Assisi ist Einladung und Ermutigung unseren Blick auf das Kreuz zu richten und die Augen und die Herzen für Gott, die Mitmenschen und die ganze Schöpfung zu öffnen. Das Franziskuskreuz bleibt dabei ein guter und wichtiger Wegweiser.
Liebe Mitbrüder, ich möchte Euch heute ganz bewusst für Euren Dienst danken, besonders auch den franziskanischen Mitbrüdern! Als Ostergeschenk und Erinnerung gebe ich Euch ein kleines Franziskuskreuz, eine Schokolade, ein Gebet mit für Euren Dienst.
Bitten wir heute auch um neue geistliche und kirchliche Berufungen, Menschen, die wie Franziskus von Jesu liebenden Blick ergriffen sind und sich liebevoll den Wunden ihrer Mitmenschen zuwenden!
Amen.
Ägidius Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt