Predigt am Aschermittwoch
18. Feber 2026 im Martinsdom - Mit Asche an der Stirn in Form eines Kreuzes beginnen katholische Christen die österliche Bußzeit, auch Fastenzeit genannt. Dies zeigt, dass es etwas zu bereinigen gibt: Schuld, Versagen, Schwächen. Das Aschenkreuz erinnert uns alle daran, aber es erdrückt uns nicht.
Das Aschenkreuz erinnert uns Christen daran, was die österliche Bußzeit oder Fastenzeit eigentlich ist oder auch sein will und sein sollte.
Fastenzeit heißt nicht, sich trübsinnig in eigenen Schuldgefühlen verstricken und an nichts anderes mehr denken, sondern froher sein. Wie oft haben wir falsche Vorstellungen vom Glauben und von der Fastenzeit, indem wir sie auf Verzicht und Entbehrung, Gebote und Verbote, Sünde und Schuld reduzieren. Glaube und Fastenzeit ist ein Weg zu neuer Freude. Haben wir modernen Christen nicht weithin die Freude an Gott, Glaube und Kirche, am Christsein und am Leben selber verloren? Wie hat schon Friedrich Nietzsche in seinem Werk „Also sprach Zarathustra“ gesagt: „Erlöster müssten mir die Erlösten aussehen: besser Lieder müssten sie mir singen, dass ich an ihren Erlöser glauben lernte.“ Es ist eine Kritik an der Lebensfeindlichkeit des Christen, der Trübsal bläst, anstatt Lebensfreude zu verbreiten, und an der fehlenden Ausstrahlung der Christen, die behaupten, durch Jesus erlöst zu sein, aber oft nicht erlöst aussehen. Echtes Fasten laut Evangelium macht kein finsteres Gesicht, kennt die Freude. Verbreiten wir Freude, beginnen wir damit in der Fastenzeit!
Fastenzeit heißt auch innerliche Befreiung oder freier sein.
Oft erfahren wir unser Leben und unseren Glauben als Zwang. Aber es sollte umgekehrt sein. Fastenzeit ist ein Weg zu neuer Freiheit. Freier werden von all dem, was in unserem Leben einen falschen Rang, eine falsche Priorität hat. Dieses Wiedergewinnen an Freiheit, von Überfülle, das hilft uns wieder, einen klaren Kopf zu bekommen. Eine neue Sensibilität für das, was wichtig, richtig, von Bedeutung ist. Was uns wieder gut unterscheiden lässt, was uns wieder neue Kraft, Orientierung und Souveränität für unser Leben gibt. Echtes Fasten laut Evangelium befreit uns von Zwängen und wendet sich dem Nächsten zu. Tun wir unseren Mitmenschen im weitesten Sinn des Wortes Gutes – schenken wir einander ein gutes Wort, ein wenig Zeit, eine gute Tat – beginnen wir damit in der Fastenzeit!
Fastenzeit heißt schließlich auch Aufbruch zum eigentlichen Leben oder frömmer sein. Fastenzeit ist ein geistlicher Weg, ein Weg der Erneuerung u. Umkehr. Umkehr kostet Kraft, Überwindung, Verzicht, was Schmerz bereitet. Umso wichtiger ist es zu wissen, warum, wofür und worauf hin ich verzichte? Martin Heidegger (Philosoph) konnte sagen: „Der Verzicht nimmt nicht, er gibt!“ Diesen Weg der Umkehr kann ich nur gehen, wenn ich glauben kann. Die durch Verzicht wiedergewonnene Freiheit und Offenheit macht mein Leben reicher, lässt mich neu aufbrechen. Echtes Fasten laut Evangelium macht frömmer. Nehmen wir uns die Einladung zum Gebet, Gottesdienst, Feier der Sakramente, besonders auch zur Beichte, zu Herzen und beginnen wir in der Fastenzeit!
Die österliche Bußzeit und Fastenzeit ist ein geistlicher Weg, der uns helfen will, froher, freier und frömmer zu werden. Das Aschenkreuz ist der Start dazu und macht uns Mut, es wenigstens zu versuchen.
Das digitale Fastentuch hier im Martinsdom macht uns auch Mut, indem es uns anhand des Lebens von Franz von Assisi zeigt – heuer sind es 800 Jahre seit seinem Tod – was Christen der Kirche und Welt geben können, wenn sie sich auf diesen geistlichen Weg einlassen. Folgen auch wir Franziskus, der froh, frei und fromm war!
Amen.
+Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt