Neujahrsfest
Predigt von Bischof Ägidius J. Zsifkovics am 1. Jänner 2026
Weihnachten und Neujahr sind mit guten Wünschen verbunden. So möchte auch ich Euch allen heute am ersten Tag des neuen Jahres nicht nur gute Wünsche, sondern als Christ und Hirte 3 Worte als Rat für den Lebens- und Glaubensweg durch das neue Jahr mitgeben, die das Weihnachtsfest mit dem Neujahrsfest verbinden.
Mein erstes Wort-Rat lautet: Lebe!
Weihnachten ist das Fest des Lebens, da uns im Kind von Bethlehem das Leben geschenkt wurde. Gott zeigt in diesem Kind sein Gesicht. Leben annehmen, Leben schützen, Leben weitergeben – dazu ist jeder Mensch, noch mehr der Christ von Gott berufen und gesandt. Darauf gründet Familie, die Gesellschaft, das sichert unsere Zukunft. Ein Blick in unsere Gesellschaft zeigt, dass bei uns das Leben in Gefahr ist – ungeborenes Leben wie Leben mit besonderen Bedürfnissen, vor allem die Bereitschaft Kindern das Leben zu schenken ist so tief wie nie zuvor. Lebe – eine Einladung, die mehr ist als nur in den Tag hinein zu leben, sondern vielmehr nach dem „Leben in Fülle“ zu streben, das uns im Kind von Bethlehem verheißen und wirklich geschenkt ist. Im Blick auf das Christkind können wir Leben annehmen, Leben schützen – Geborene, Ungeborene, Behinderte – und auch Leben weitergeben.
Mein zweites Wort-Rat lautet: Liebe!
Weihnachten ist das Fest der Liebe, weil Gott uns im Kind von Bethlehem seine ganze Liebe geschenkt hat. Er ist vom Himmel auf die Erde herabgestiegen, bis in einen Stall, um uns ganz nah zu sein, um mit uns durch dick und dünn zu gehen – wahrhaft ein „Gott mit uns“. Von der Krippe bis zum Kreuz wirbt Gott um die Liebe des Menschen. Aus Liebe zu uns „ist er vom Himmel herabgekommen, hat Fleisch angenommen und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tag auferstanden und aufgefahren in den Himmel“, so bekennen wir im Credo. Es gibt kein größeres Zeichen der Liebe Gottes als die Krippe und das Kreuz. Diese Liebe Gottes sollen wir Christen in der Liebe zum Nächsten im Alltag weitergeben – darum mein Rat: Liebe bis es weh tut! Oder um es mit Augustinus zu sagen: Liebe und tu, was du willst!
Mein drittes Wort-Rat lautet: Lache!
Lachen kommt in der Bibel 20Mal vor. Ich meine das Lachen aus Freude und nicht als Spott. Das bekannteste Beispiel ist das Lachen von Abraham und Sara, als Gott ihnen in hohem Alter noch einen Sohn verhieß. Saras Reaktion war zunächst ungläubiges Lachen, wandelte sich dann aber in Freude über Gottes Wirken, was sich im Namen ihres Sohnes Isaak „Er lacht“ widerspiegelt. Dieses Lachen ist eine Antwort auf Gottes unermessliche Liebe und Gnade. Das Kind in der Krippe, Maria und Josef, die Hirten werden in der Kunst oft mit einem liebevollen Lächeln dargestellt.
Sie alle hatten im Leben nicht viel zu lachen und trotzdem werden sie uns mit einem Lächeln vorgestellt wohl als Hinweis und Einladung für uns: Lache und vertraue auch Du, wie Abraham und Sara, dem Wirken Gottes und vergiss nicht, dass Gott uns im Kind von Bethlehem Grund zum Lachen gegeben hat. Gott ist mit uns, er hält die Welt in seinen Händen.
Erlaubt mir noch ein viertes Wort anzufügen, den Rat: Laufe!
Das Laufen gehört zur Weihnachtsgeschichte – die Hirten laufen zur Krippe – wie auch zur Ostergeschichte – die Jünger laufen zum Grab Jesu. Jesu Geburt und seine Auferstehung wollen uns zum Aufbruch motivieren, in Bewegung setzen und zum Laufen bringen. Nur nebenbei gesagt, Laufen ist gesund für körperliche und geistliche Fitness. Christen laufen nicht im Kreis oder gar ins Leere, sie laufen auf ein Ziel hin – zum Kind in der Krippe, zum Heiland und Retter am Kreuz!
So lautet mein Neujahrswunsch: Lebe – Liebe – Lache – Laufe!
Amen.
Ägidius J. Zsifkovics
Bischof von Eisenstadt