Natur und Umwelt 01/2026
Neobiota – Segen und Fluch!?
Die Thematik Neobiota bzw. Neophyten findet sich immer wieder und regelmäßig in den Medien und der öffentlichen Diskussion. Allgemein ist nur nicht wirklich bewusst, wie sehr wir, die Menschen, aber auch die Natur, mit dieser Thematik verstrickt sind. Erst wenn Probleme aus diesen Bereichen auftreten, wird das Ganze virulent und bewusst.
Neobiota sind gebietsfremde Arten, die nach 1492, also nach der „Entdeckung Amerikas” mit Hilfe des Menschen gewollt oder ungewollt in Gebiete eingebracht oder verschleppt werden bzw. wurden, in denen sie vorher nicht vorhanden waren. Das sind Pflanzen (Neophyten), Tiere (Neozoen) und Pilze (Neomyceten). Und das sind nicht wenige. Etwa 30 % der gesamten Flora Österreichs, also ca. 1.600 Arten, sind Neophyten, die mittlerweile etabliert sind und sich dauerhaft und eigenständig vermehren können. Aber nicht alle eingeschleppten Arten können sich anpassen und sind weiterhin lebensfähig. Als Faustregel gilt bei Neophyten, dass von 100 eingeschleppten Arten 10 sich etablieren und 1 Art problematisch (invasiv) wird.
Diese invasiven Arten, auch Aliens genannt, richten Schäden in Ökosystemen an, indem sie einheimische Arten verdrängen, richten wirtschaftlichen Schaden an oder verursachen Krankheiten. Doch viele Neobiota wurden bewusst vom Menschen eingeführt, wie verschiedenste Zierpflanzen (z. B. Orchideen), Gartenpflanzen und Sträucher (z. B. Steppengräser, Bambus, Kirschlorbeer, Goldrute), und werden erst zum Problem, wenn sie – meist unbewusst, oft mit der Entsorgung von Abfall – ausgewildert werden und sich ungehindert in der Natur verbreiten und vermehren.
Zu den Neobiota zählen auch einige sehr wichtige und wertvolle Nutzpflanzen, wie die Kartoffel, die Sonnenblume und der Mais, aber auch einige bedeutende Nutztiere, wie Damhirsch, Alpaka, Fasan und die Regenbogenforelle. Letztere sowie auch andere Arten, wie der Koi (Japanischer Zierkarpfen) und der Signalkrebs, können, wenn sie ausgewildert werden, heimische Arten aus ihren angestammten Lebensräumen verdrängen und auch Krankheiten verbreiten und somit Schaden an der Biodiversität anrichten, sind also invasiv.
Manche Arten bringen einen Nutzen, verursachen aber auch Schäden, wie beispielsweise die Robinie und das Drüsige Springkraut, die einerseits wertvolle Bienenweiden sind, andererseits in der Natur großen Schaden anrichten können. Unter den Neomyceten (Pilzen) finden sich wertvolle Speisepilze, wie der Shiitake und der Austernpilz, aber auch große Schädlinge, wie die Verursacher des Ulmensterbens, des Kastanienrindenkrebses und des Eschentriebsterbens. Die letztgenannten wurden ungewollt eingeschleppt.
Durch den globalen Handel und das weltweite Verkehrsaufkommen gelangen immer häufiger invasive Formen der Neobiota in unsere Breiten und wirken sich negativ auf unsere Natur aus, indem sie z. B. schwerwiegende Krankheiten verursachen. So bei den Pflanzen der Riesenbärenklau und die gefährliche Allergiepflanze Ragweed (Ambrosia), die auch noch wirtschaftliche Schäden anrichtet, indem sie bis zu 70 % Ernteausfall bei befallenen Kulturen bewirkt. Der Buchsbaumzünsler, die Grüne Reiswanze oder die Spanische Wegschnecke sind Beispiele von Neozoen, die in heimischen Kulturen große Schäden anrichten können, unter anderem weil die natürlichen Feinde fehlen.
Auch der Klimawandel leistet im Hinblick auf die Vermehrung und die Verbreitung von Neobiota seinen Beitrag, weil es sich hier meist um wärmeliebende Arten handelt. Dadurch breiten sich – vom globalen Süden her kommend – immer mehr Krankheiten aus, die durch blutsaugende Insekten, die bei uns einwandern, übertragen werden, wie etwa die Blauzungenkrankheit bei Wiederkäuern und das Dengue-Fieber beim Menschen, das von der asiatischen Tigermücke übertragen wird, die auch noch weitere 20 Krankheitserreger übertragen kann.
Das Jahresmotto dieser Zeitschrift soll heuer also das Thema Neobiota sein. In der Frühlingsausgabe soll das Thema allgemein und erklärend behandelt werden, in der Sommernummer stehen Neobiota im Bereich der Land- und Forstwirtschaft im Fokus. Das Vorkommen von gebietsfremden Arten im öffentlichen, kommunalen und privaten Bereich wird in der Herbstnummer Thema sein und in der Winterausgabe werfen wir einen Blick auf Neobiota im Bereich von Wasser- und Verkehrswegen.
Aufgrund der Klimaänderung werden künftig noch mehr gebietsfremde Arten in unsere Natur- und Lebensräume Eingang finden bzw. in diese einwandern, d .s. nutzbare Arten, wie z. B. der Olivenbaum und diverse Zitruspflanzen sowie andere südländische, wärmeliebende Formen, aber vermehrt auch invasive Problemarten.
Verhindern oder wieder loswerden werden wir diese Problemarten nicht. Wir können nur durch präventive Maßnahmen versuchen, dass sie sich langsamer ausbreiten und in geringerem Ausmaß auftreten. Und wir müssen wirksame Methoden finden und umsetzen, um sie in ihren negativen Wirkungen einzuschränken, in der Ausbreitung zu stoppen und bestenfalls auch zurückzudrängen versuchen, meint Ihr
Mag. Hermann Frühstück
Landesleiter Naturschutzorgane Burgenland