Sakramente sind ein Risiko! Sie sind keine Beilage, keine Belohnung für die Braven und Frommen, sie sind kein Wundermittel und keine Medikamente aus der Kirchenapotheke, sie brauchen keine Rezepte, keine Kontrolleure und keine Reifeprüfung. Sakramente dürfen nicht dem Leben entfremdet und zerredet werden, auch nicht von jenen, die sich im Auftrag der Priester und Spender um die Sakramente kümmern und dabei oft überfordert sind. Die Sakramente sind keine Gefühlssache, keine Behübschung, keine Folklore und keine Wissenschaft.
Doch, es gibt auch eine Sakramententheologie, die ohne Anthropologie, Exegese und Bibelwissenschaft, ohne Dogmatik und Kenntnis der kirchlichen Tradition, ohne Liebe zur Sprache und Kultur, ohne Augen für das Schöne, für Kunst und Architektur, ohne Humanwissenschaften, ohne Liebe zu den Zeichen und Symbolen, verkümmern würde. Sakramente sind nicht kompliziert, sie sind ehrlich, sie bringen das Leben zur Sprache und sie verändern das Leben. Sakramente sind Handeln Gottes, sie wirken und provozieren Leben, denn Gott ist kein Lügner und er hat Zeit und Geduld. Er greift ein, nicht aus Zwang und nicht mit Gewalt, sondern einladend, barmherzig, zärtlich und unaufdringlich. In der Osterzeit, zur Pfingstzeit und in ihrem Umfeld werden viele Sakramente gespendet. Und es ist gut so.
Manchmal meinen die Menschen, sie müssten über Gott entscheiden, wann und wie er in den Sakramenten auf sie zukommen darf, ob sie reif genug sind für den Empfang der Sakramente und was bei den sakramentalen Feiern sein darf. Kleinigkeiten und Unwesentliches werden aufgeschaukelt. Welche Kleider, welche Blumen, welches Umfeld, welche Kirche, welche Musik, welcher Gesang, und wer spendet? Dabei verdrängen sie, dass nur Gott Sakramente macht, die Glaubenden Beschenkte und Begnadete und die Sakramentenspender Gottes Werkzeuge sind. Die Sakramentenplaner und Organisatoren sollten in den Urlaub geschickt werden. Diese und andere dürfen über die persönlichste Begegnung des Menschen mit Gott und ihre bleibende Freundschaft nicht verfügen.
Die Frage, ob die Kindertaufe gut ist oder eine spätere „freie“ Entscheidung abgewartet werden müsse, geht am Leben vorbei. Die Meinung, das Sakrament der Ehe sei eine zusätzliche Belastung zum standesamtlichen Ehevertrag, beschneidet das Große dieser Lebenswirklichkeit. Wer die Erstkommunion zu einem einmaligen Ereignis und die Firmung zum Übergang ins Erwachsenenalter macht, verhungert am Leben und jagt den Heiligen Geist davon. Wer geweiht wird und seine Weihe mit Anstellung und Macht verwechselt, sollte eine Arbeit angehen, die erdet. Wer felsenfest wiederholt, dass er ohne Sünde und ohnehin perfekt sei, lügt – auch das ist eine Sünde. Und wer sich dem heilenden Gott im Sakrament der Salbung verweigert, hat keine Zukunft. Sakramente wirken Wunder, sie können das Leben beleben. Wer sie ausschlägt, stellt Gott in den Winkel. Er aber vergisst die Menschen nicht! Denn der Menschgewordene ist das eigentliche Sakrament Gottes!
Eine Kirche, die redet und zerredet, die nicht Hand anlegt und die Hände auflegt, wird steril und geschwätzig. Die Feiern der Sakramente sind ein Seismograf für den glaubwürdigen Glauben und für die Weite und die Wahrhaftigkeit des Lebens.
Foto: Roland Schuller