frei bleiben
Existenz in Ausgewogenheit. Gedanken zum 18. Sonntag.
Lesejahr C I, 3.8.2025
Schriftwort
Was erhält der Mensch dann durch seinen ganzen Besitz und durch das Gespinst seines Geistes, für die er sich unter der Sonne anstrengt? Alle Tage besteht sein Geschäft nur aus Sorge und Ärger und selbst in der Nacht kommt sein Geist nicht zur Ruhe. Auch das ist Windhauch.
Koh 2,22–23
Dann sagte er zu den Leuten: Gebt Acht, hütet euch vor jeder Art von Habgier! Denn das Leben eines Menschen besteht nicht darin, dass einer im Überfluss seines Besitzes lebt.
Lk 12,15
Impuls
Was kann es bedeuten, in dieser Welt bewusst und verantwortungsvoll zu leben? Unsere Welt zu gestalten, mitzugestalten, indem wir unsere unterschiedlichen Talente einbringen?
Dem Schöpfungsauftrag, biblisch und recht verstanden, können wir diese Einladung, ja Aufforderung, entnehmen.
Doch sowohl die philosophische als auch die spirituelle Tradition warnt vor einem gewichtigen Missverständnis: Rücksichtslose Selbstverwirklichung.
Das benediktinische „ora et labora“ bringt ganz einfach und zugleich klar auf den Punkt, dass es immer um eine Ausgewogenheit gehen muss.
- Gebet und Arbeit
- Entspannung und Anspannung
- Ruhe und Tätigkeit
- Muße und Aktivität
Und zwar in dieser Reihenfolge.
So verstanden könnte die Arbeit in der und für die Welt eigentlich „verwirklichtes Gebet“ sein. Nur aus der Muße, aus der Überlegung, folgt fruchtbringende Aktivität.
Von der dann alle etwas haben.
Wir Menschen müssen nicht nur unsere „Umwelt“ schützen.
Wir sind vielmehr Teil unserer „Mitwelt“ und können uns gar nicht aus diesem Zusammenhang herausnehmen.
Ignatius von Loyola spricht von der „Indifferenz“ und meint diese „innere Freiheit“. Ein bekanntes Gebet von Reinhold Niebuhr kann das auf den Punkt bringen:
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
© nikfai