Die evangelische Pfarrgemeinde A.B. Stadtschlaining

 

 

Gründung

Im April 1782 bekam die evangelische Gemeinde vom Grafen Batthyány einen Bauplatz geschenkt und nach einer Überprüfung durch eine Kommission aus Steinamanger begann man im Frühjahr 1783 mit dem Bau der Kirche. Der Bauplatz lag außerhalb der Stadt, direkt an der „Weißen Bastei“.
Ermöglicht wurde der Kirchenbau auf Grund des Toleranzpatents von 1781 durch Kaiser Josef II. Nach diesem Erlass durften in Gemeinden mit mehr als 500 Evangelischen auf Ansuchen eine Kirche ohne Turm und Glocken errichtet werden, die Kirche durfte auch keinen Eingang von der Straße her haben. Stadtschlaining dürfte die erste Gemeinde in Westungarn gewesen sein, die aktiv wurde. Der Kirchenbau wurde großzügig begonnen, da zu den 17 Orten, die sich bei der Gemeindegründung zusammenschlossen, ca. 7000 Personen gehörten. Zu den 17 Orten zählten die Gemeinden Oberwart, Petersdorf, Welgersdorf, Weiden, Jormannsdorf , Holzschlag, Goberling, Neustift, Neumarkt und Drumling. Schon in den ersten Jahren der Gemeindegründung schrumpfte die Zahl der Gemeinden von 17 auf 10 zusammen. Es entstanden aus den Filialgemeinden wie z.B. Oberwart eigene Muttergemeinden. Zum anderen bewog die große finanzielle Last des Kirchenbaues so manche Ortschaft, die Selbständigkeit oder den Anschluss an eine andere Muttergemeinde anzustreben.

Kirchenbau

Im Jahre 1783 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Es wurde ein klassizistischer Bau mit drei Schiffen, Die Gewölbe sind auf Säulen aus St. Magarethener Sandstein errichtet. Der Zugang war laut Auflage des Toleranzpatents nur vom Pfarrhaus her möglich, seit 1848 dann auch durche den Turm. Erst bei der letzten Renovierung im Jahre 1981 wurde der Zaun entfernt, der die Kirche von der Straße trennte. Die Fertigstellung des Baues vorerst ohne Turm dürfte 1787 gewesen sein, Die Gesamtkosten für Kirche und Pfarrhaus sind nicht bekannt. Sie müssen aber sehr hoch gewesen sein, da die letzten Schulden 1807 bezahlt wurden. Der dreigeschossige Turm wurde zusammen mit einem neuem Kirchendach im Jahre 1846-18848 gebaut.
Der ursprüngliche Altar, der aus dem aufgelassenem Kloster der Pauliner bei Ödenburg stammte, wurde 1819 an die Pfarrgemeinde Sziget verkauft. Bildhauer, Maler und Vergolder aus Ödenburg schufen im Herbst 1918 den neuen Altar. Über dem Altar ist der auferstandene Christus dargestellt. Die Orgel wurde 1788 errichtet.
Ein wertvolles Stück, das sich im Besitz der Pfarrgemeinde befindet, ist der sogenannte „Zschismenmacher-Kelch“. Am 18. Juni 1784 wurde dieser Kelch, der aus der Gegend von Augsburg stammt, von der Zunft der Zschismenmacher (Lederstiefelmacher) der Gemeinde gespendet. Der Kelch befindet sich von Advent bis Ostern in der Gemeinde, von Ostern bis Ende des Kirchenjahres ist er im Diözesanmuseum in Stoob zu sehen.

Prediger und Pfarrer

Von 1560-1630 wurden von den evangelischen Prädikanten, die hier wirkten, die gotische Kirche des Andreas Baumkircher als Predigtstätte verwendet.
Bis 1634 gab es mindestens neun evangelische Prediger in Stadtschlaining, deren Namen nicht bekannt sind. Nach dem Toleranzedikt war Ernst Ferdinand Siegel der erste Pfarrer der Gemeinde. Besonders zu erwähnen ist wohl Matthias Haubner, der später Bischof wurde und im ungarischen Freiheitskampf eine wesentliche Rolle spielte. Der letzte Pfarrer ist Manfred Koch, der 2003 Superintendent in Eisenstadt wurde. Derzeit ist die Pfarrgemeinde pfarrerlos und wird von Pfarrer Mesmer administriert.

Edmund Schmall

 

 
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