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| Weltanschauungen und Sekten |
JugendsatanismusWas ist Satanismus?Früher war Satanismus ein schweres kriminelles Vergehen, das nicht nur gesellschaftlich geächtet, sondern auch mit der Todesstrafe belegt war. Heute kann sich jeder Erwachsene in Talkshows als Satanist outen, ohne dass dies negative Konsequenzen nach sich zieht. Ebenso können Jugendliche mit satanischen Symbolen hantieren, ohne dass sich dadurch jemand besonders provoziert fühlte.Der moderne Satanismus ist eng mit dem Namen Aleister Crowley (1875 - 1947) verbunden. Er wurde 1925 in Deutschland zum Weltenheiland ausgerufen. Seit 1898 gehörte er einem Geheimorden an. 1912 wurde er zum Oberhaupt des Ordo Templi Orientis (O.T.O.) bestellt. Durch ihn kommt die Betonung des menschlichen Willens und seiner Göttlichkeit, das sogenannte ,,thelemitische Element" in diesen Orden. Grundgelegt hat er dies in seinem Buch ,,Liber Al Vel Legis". 1904 soll ihm dieses Buch von einer jenseitigen Wesenheit namens Aiwass in Kairo diktiert worden sein. Sein Grundsatz lautet: ,,Es gibt kein Gesetz, außer tue, was du willst." Satan wird nicht als Gegengott aufgefasst. Vielmehr wird an die Stelle von Gott der Mensch gesetzt, der sich rücksichtslos über alles hinwegsetzt, was dem eigenen Willen entgegensteht. Crowley selbst verstand sich als Inkarnation Satans und nannte sich das ,,große Tier 666" nach einer Stelle aus der Geheimen Offenbarung 13, womit ursprünglich Nero gemeint war. In der Nähe von Paris gründete Crowley seine erste ,,Abtei", eine zweite entstand in Cefalú auf Sizilien. Hier konzipierte Crowley eine ,,gnostische Messe", aus der die Bezeichnung ,,schwarze Messe" abgeleitet wurde. Durch sexualmagische Riten glaubte Crowley kosmische Energien freisetzen zu können. Als die Faschisten die Abtei 1923 schlossen, ging Crowley zunächst in den Orient und später nach England, wo er nach einem exzessiven Lebenswandel zum Alkoholiker geworden, 1947 vereinsamt starb. Nach seinem Tod entstand ein Zweigkonglomerat des O.T.O., wo bis heute um die rechtmäßige Weiterführung gestritten wird. Wie kommen Jugendliche dazu? Was geschieht mit ihnen?Zunächst ist es Neugierde. Crowleys Ideen interessieren Jugendliche. Der starke sexuelle Bezug, eine Protesthaltung und der Tabugeruch wirken in der pubertären Entwicklung wesentlich attraktiver als auf Erwachsene. Schätzungen zufolge haben allerdings nur 1,5 Prozent aller Jugendlichen mit Satanismus zu tun. Jugendsatanismus ist eine Modeströmung. Er kann als Protestreligion verstanden werden und stellt auch gewissermaßen ein Spiel mit dem Gruseligen dar. Überwiegend sind es männliche Jugendliche, die mit Symbolen, Ritualen, Bildern und Verhaltensweisen aus dem satanistischen Bereich in Kontakt kommen.Man kann zwei Gruppen unterscheiden: Die eine, wo Heranwachsende beginnen, nach der Lektüre von Zeitschriftenartikeln oder nach Ansehen eines Films, satanische Rituale zu praktizieren. Dies kann zum Teil im Drogenrausch oder zu Musik aus der Heavy-Metal-Szene geschehen. Diese Jugendlichen verwenden auch schwarze Kleidung, ein verkehrt getragenes Kreuz, einen Sarg als Schlafstätte. Keiner dieser Jugendlichen hat Kontakt zur Kirche Satans oder zu einer anderen organisierten Gruppe. Es geht hautsächlich um eine Protesthaltung gegenüber der Erwachsenenwelt bzw. darum, sich markant von denjenigen zu unterscheiden, die einem am ähnlichsten sein könnten, - also von der eigenen Familie oder Altersklasse. Nicht selten treibt männliche Jugendliche auch ein fehlender Vater als Reibebaum zu solchen Gruppen bzw. Praktiken. Diese Form des Jugendsatanismus ist also ein Durchgangsstadium in ihrer Entwicklung. Sie entdecken zudem zu Beginn der Pubertät eine bisher unbekannte aggressive Seite in sich. Oft genügt es ihnen, als Gruftie verkleidet durch die Straßen zu gehen und ängstliche Blicke auf sich zu ziehen. Gruftiesein stellt überhaupt eher einen Lebensstil dar, welcher mehr mit Narzissmus, also z.B. stundenlangem Stylen vor dem Spiegel, zu tun hat. Zu einer existentiellen Gefahr kann es allerdings kommen, wenn Jugendliche aufhören, Interesse an ihren Freundschaftsbeziehungen, Hobbies, an der Schule oder Lehre zu haben. Zusammen mit der psychischen Unreife der Jugendlichen ergibt sich ein Zustand, der sie in einer Art Sonderwelt leben lässt, die sich um die Wirksamkeit Satans dreht und als wahnhaftes Glaubenssystem bezeichnet werden muss. Man spricht dabei vom destruktiven Jugendsatanismus. Die Außenwelt wird fast nur mehr als feindlich begriffen, was auch entsprechend aggressiv durch Vandalismusakte, Kirchen- oder Grabschändungen, Tier- und Menschenquälereien, Weltzerstörungsphantasien, u.s.w. ausgedrückt wird. Zugleich zerstören diese Aggressionsformen auch die eigene Weiterentwicklung wie Freundschaftsbeziehungen, Berufsausbildung und die Entwicklung einer krisenhaften Zuverlässigkeit. Selbstmordhandlungen werden dadurch wahrscheinlicher. Erkennungsmerkmale des JugendsatanismusDer Jugendliche setzt sich in Gedanken mit der Frage nach Geistern und Dämonen auseinander. Ebenso beschäftigt er sich mit der Möglichkeit, mit ihnen in Wechselwirkung treten zu können. Die Zusammenhänge zum Okkultismus liegen auf der Hand. Woran kann ein Außenstehender nun erkennen, ob sich ein Jugendlicher mit der Ideologie des Satanismus beschäftigt? Zunächst liest der Betreffende Bücher mit Titeln wie ,,Die satanische Bibel", "Das Necronomicon", ,,Das 6. und 7. Buch Mose". Im Zimmer des Jugendlichen finden sich oft Totenschädel, schwarze Kerzen, Hostien, altarähnliche Aufbauten, Poster mit Horrorszenarien. Es wird Schmuck mit satanistischer Symbolik getragen: Pentagramme, umgedrehte Kreuze, Baphomet-Kettchen. Die Nächte am 2. Feber, 30. April/1.Mai und 30./31. Oktober spielen eine Rolle. Weitere Alarmsignale können sein, wenn man bei Mädchen Spuren sexueller Gewalt entdeckt, Jugendliche einen starken Leistungs- und Konzentrationsabfall haben, extrem verschwiegen sind und den andern extrem provokant begegnen. Da alle diese Merkmale aber auch bei sich normal entwickelnden Pubertierenden auftreten, mag es für Eltern oft schwer zu erkennen sein, ob ihr Kind mit Satanismus zu tun hat, zumal die Verschwiegenheit bei den Satanisten extrem stark ist.Was sind die Ursachen für den Jugendsatanismus?Erscheinungen wie der Jugendsatanismus entstehen nicht in einem luftleeren Raum. Analysen haben einen engen Zusammenhang mit den gesellschaftlichen Verhältnissen der 90er Jahre hergestellt. Der um sich greifende Neoliberalismus, dem es darum geht, der wirtschaftlichen Leistung ihren Erfolg zu sichern, was am besten durch den uneingeschränkten Konkurrenzkampf zu erreichen ist, etabliert sich weltweit unter dem Stichwort der "Globalisierung". Solidarität mit den Schwachen wird ,,umgewertet": die ,,wirklich Hilfsbedürftigen" sind die Leistungsträger der Gesellschaft, die ihrem Bedürfnis, helfen zu wollen, nicht nachkommen können, weil der Wohlfahrtsstaat sie an produktiven Investitionen für Arbeitsplätze hindert. Dieser zynische Mechanismus wird noch verdeutlicht durch die Auswüchse des Marktes: Der Markt soll die ,,moralische Dimension" schaffen, indem der ,,tierische Instinkt der Todesdrohung" durch den andern mittels Konkurrenzkampf reguliert und dadurch angeblich ,,freiheitliche und menschenwürdige Dimensionen" realisiert werden. Der Mensch wird nur noch von daher definiert, dass es den Starken, Reichen, den Leistungsträgern ökonomisch möglichst gut geht. Auch durch die Werbung wird uns dieser erfolgreiche Typ von Mensch tagtäglich geradezu eingehämmert. Was wundert es, wenn Jugendliche, denen dies alles ökonomisch verschlossen ist, ihre Zuflucht bei einer ,,Power-Religiosität" wie dem Satanismus suchen?Christliche KritikIn genau diese Kerbe schlägt der Satanismus: Der Mensch ist dem andern Menschen ein Wolf. Mitleid ist Schwäche. Das Schwache hat kein Recht zu existieren. Insofern drücken Satanisten in ihren Texten und Liedern das aus, was ohnehin in unserer Gesellschaft in zynischer Weise vertreten wird!Im Gegensatz zu diesen Tendenzen einer ,,Umwertung" oder ,,Entwertung der Werte" geht es dem Christentum um die Rettung des Menschen, als einem Wesen, das nicht in seiner Bestimmtheit als ökonomischer Faktor aufgeht, sondern zu Mitleid, Solidarität und Liebe fähig ist und auch Schwächen haben und ertragen kann. Die Wut satanischer Texte richtet sich genau dagegen. Insofern ist die Kirche immer noch der Gegner des Satanismus, auch wenn sie für viele Jugendliche und Erwachsene keine prägende Kraft mehr besitzt. Wie kann man helfen, dass Jugendliche aus dem Satanismus herauskommen?Jugendsatanisten können sich nicht mehr selbst - ähnlich wie Drogenabhängige - ausreichend helfen. Sie brauchen die Unterstützung von Fachleuten. Ohne psychologische Beratung wird es nicht gehen. Im Idealfall gelingt es, dass sich Betroffene einer Selbsthilfegruppe anschließen, was aber schon aus geografischen Gründen nicht immer möglich sein wird. Nötig wäre ein Expertenteam von Psychologen, Sozialarbeitern und Pädagogen, um betroffene Jugendliche zu einer Auseinandersetzung mit ihren Problemen hinzuführen. |
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