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Bruno Gröning-Freundeskreis

"Heilung auf dem geistigen Weg – medizinisch beweisbar!" steht auf den Einladungen, die zur Zeit wieder einmal in die Haushalte flattern. Es wird zu einer "internationalen Vortragsreihe" von Ärzten der Medizinisch-Wissenschaftlichen Fachgruppe (MWF) über Heilung durch die Lehre Bruno Grönings eingeladen. Erfahrungsberichte von Jugendlichen über Befreiung von Suchterkrankungen, Depressionen, Ängsten kommen zur Sprache. Während des Vortrages kann man die einfache und natürliche Weise der Heilkraft selbst erleben, wird versprochen. Wen würde das nicht interessieren? Und ein Film "Der Wunderapostel " suggeriert, "alle Fesseln zu sprengen! " Doch was steckt dahinter?

Bruno Gröning

"Ich bin nichts, der Herrgott ist alles. Ich will weder Geld noch Gold, was ich will und kann, ist, allen Menschen helfen und heilen. Wer den Herrgott verleumdet, ist es nicht wert, geholfen zu werden. " Das schrieb Bruno Gröning (1906-1959) im Jahr 1949 über sich selbst. Er sah sich als Vermittler göttlicher Botschaften, durch die er heilen könne. Solange der Mensch die göttlichen Gesetze befolge, erfahre er nur Gutes wie Gesundheit, Zufriedenheit, Freude und Glück. Jene, die allerdings außerhalb dieser göttlichen Ordnung leben, würden Unfrieden, Krankheit und Unglück erfahren. Der kranke Mensch könne gesund werden, wenn er sich richtig "einstelle " und den göttlichen Heilsstrom empfange, als dessen Vermittler sich Gröning sah. Er besitze die Kraft, das, was die Menschen verbogen hätten, wieder gerade zu biegen. Zum richtigen "Einstellen " seien eine offene Körperhaltung und gute Gedanken und Gebete notwendig. Die auftretenden Empfindungen, wie z.B. Kribbeln oder Wärmegefühle, seien das Zeichen der durchströmenden göttlichen Kraft. Diese Zeichen werden "Regelungen " genannt.

Wer war Bruno Gröning? 1906 als Kind einfacher, katholischer Eltern in Danzig geboren, besuchte er die Volksschule bis zur 5. Klasse. Eine begonnene Zimmerlehre schloss er nicht ab. Nach dem Krieg hielt er sich als ungelernter Arbeiter hauptsächlich mit Gelegenheitsjobs über Wasser. Bald glaubte er, mit der Fähigkeit der Heilung begabt zu sein. Im Jahr 1949 rückte er in den Blickpunkt der Öffentlichkeit, nachdem er einen an Muskelschwund leidenden Buben angeblich völlig geheilt hatte. (Der Bursch starb 1955 an seiner Krankheit.) In Folge dieser publik gemachten Heilung erhielt er den Ruf als Wunderheiler. Öffentliche Auftritte und Vorträge folgten. In Rosenheim soll es zu Massenheilungen gekommen sein, es sind aber nur wenige Fälle belegt. Dieser "Gröning-Rummel " rief zahlreiche Trittbrettfahrer auf den Plan, die im tristen Nachkriegsdeutschland viele Menschen in ihrem psychischen Elend finanziell ausbeuteten. 1949 erhielt Gröning zunächst in Nordrhein-Westfalen, 1954 schließlich in allen deutschen Ländern Auftrittverbot sowie eine erste Anklage wegen Verstoßes gegen das Heilpraktikergesetz. 1958 folgte die zweite Anklage und eine Verurteilung zu einer Geldstrafe und Haft auf Bewährung. 1959 starb Bruno Gröning an einer Krebserkrankung in Paris.

Der Freundeskreis

1979 gründet Grete Häusler, die angibt, selbst mehrfach durch Bruno Gröning geheilt worden zu sein, den "Bruno Gröning-Freundeskreis ". Als Trägerverein dient der "Kreis für geistige Lebenshilfe e.V. ", deren Vorsitzende Grete Häusler ist. Gleichzeitig ist sie auch Geschäftsführerin der "Grete Häusler GmbH " mit den Zweigen "Verlag " und "Film ". Daneben besteht auch ein "Verein zur Förderung seelisch-geistiger und natürlicher Lebensgrundlagen in Deutschland e.V. " mit Gemeinschaften in mehr als 20 Städten. In den letzten Jahren verzeichnet die Bewegung offensichtlich großen Zulauf: Heute gibt es bereits weltweit ca. 550 Gemeinschaften mit etwa 30.000 Freunden. In Österreich ist der Bruno Gröning-Freundeskreis ebenfalls aktiv. Es besteht eine straff geführte Struktur mit verschiedenen Zuständigkeiten für die Bereiche Bedarfsplanung, Sondergemeinschaften, Kassenbereich einschließlich Reisekosten- und Kassenprüfung, Bruno Gröning-Bilder, Datenschutz, Rechtsgruppe, Öffentlichkeitsarbeit, Medientechnik, Adressenverwaltung, Fotodienst, Übersetzungen, Tagungen. Eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit trägt nicht unwesentlich zum Wachstum der Bewegung bei. Der "Grete Häusler Verlag " hat unter anderem an rund 90 Esoterik-Messen sowie an den Buchmessen in Genf und Frankfurt teilgenommen. Es gibt 2 Druckereien und ein eigenes Tonstudio. 35 Offene Kanäle sendeten Bruno Gröning–Filme. Der Film "Der Wunderapostel ", filmtechnisch schlecht und überlang, lief im Mai und Oktober 1997 im Wiener Top Kino. Er stand dort aber keineswegs wegen seiner besonderen Qualität auf dem Programm, sondern weil er mehr Geld einspielte als die meisten anderen Filme des sonst anspruchsvollen Programmkinos. Grund dafür war nicht zuletzt die unkonventionelle Werbung. In ganz Wien hingen Filmplakate, in den Geschäftsstraßen wurden Unmengen an Flugzetteln verteilt und in Esoterikzeitschriften dafür geworben.

Die Lehre

Bruno Gröning verkündete eine schlichte Botschaft: "Der einzige Arzt ist Gott. Gott ist der Sender, du bist der Empfänger. " Sich selbst sah er als Vermittler und "Brücke " zwischen Gott und den Menschen. Um die Wirkung des göttlichen Heilsstromes zu veranschaulichen, benutzte er das Bild des Radioapparates. Wie unsichtbare Radiowellen umgeben uns die Heilwellen. Wenn ein Em-pfangsgerät nicht richtig eingestellt ist, kann auch keine Heilung erfolgen. Die Funktion von Antennen übernehmen von Gröning "angesprochene Gegenstände " wie Stanniolkugeln, Bilder, Krücken, Steine... Diese seien mit Reliquien vergleichbar und werden den Hilfesuchenden unters Kopfkissen, auf die betroffenen Körperteile oder auf das Armaturenbrett gelegt, um etwa Verkehrsunfälle zu vermeiden. Gott will keine Krankheit, deshalb ist sie ein Werk Satans. Um Krankheiten zu vermeiden, muss man den Kontakt mit satanischen Menschen meiden und ein gottgewolltes Leben führen. Zu einem solchen gehört es, Zweifel, Neugier und Gedanken an die eigenen Leiden zu unterlassen. Wenn der Heilsstrom den Menschen reinigt, treten sgn. Regelungsschmerzen auf, die auf keinen Fall durch Medikamente gestillt werden dürfen, weil dadurch die Heilwelle unterbrochen werden würde. Deshalb sei es auch sinnlos, einen Arzt zu konsultieren. In den Gemeinschaftsstunden, die im Abstand von drei Wochen stattfinden, wird die Technik des Sich "Einstellens " auf den Heilsstrom, wo weder Arme noch Beine sich gegenseitig berühren dürfen, geübt.
Zu den Sondergruppen der Gemeinschaften gehören die Kinder- und Jugendgemeinschaftsstunden. Grundsätzlich herrscht die Meinung vor, dass Kinder bereits mit ihrer Geburt vollständige Persönlichkeiten sind. Sie bringen aus ihren Vorleben aber schon Behinderungen mit und erhalten in ihrem jetzigen Leben die Chance, den göttlichen Weg zu beschreiten. Ist ein Kind also krank, hat es den Anschluss an die satanische Kraftquelle gewählt. Da der Mensch selbst verlernt hat, sich der göttlichen Quelle anzuschließen, fühlt sich der aufklärende Bruno Gröning-Freund berufen, die entsprechenden Regeln für den göttlichen Anschluss zu vermitteln, der bei Kindern eine vereinfachte und verkürzte Wiedergabe der Lehre bedeutet. Für Jugendliche steht die Arbeit für das Werk eindringlicher im Vordergrund. Es gibt Musizier-, Tanz-, Theater- und Gesangsveranstaltungen, wobei die Möglichkeit, sich hier zu engagieren, so groß ist, dass es keinerlei Privatleben gibt. Freundschaften obliegen einer ständigen Kontrolle, welche als Unterstützung auf dem göttlichen Weg gesehen wird. Die Themen orientieren sich an Sexualität, Drogen, Einstieg in das Berufsleben, Partnerwahl und Ablösung vom Elternhaus. Die Angst, die reinen Angaben aus der göttlichen Quelle nicht empfangen zu können, hindert aber meistens, sich den Problemen offen im Gespräch zu stellen. Die Ablösung vom Elternhaus wird natürlich umso deutlicher forciert, wenn diese nicht dem Kreis der Bruno Gröning-Freunde angehören. Konflikte werden über eine Leitung ausgetragen, so lange, bis eine Einigung zugunsten des Werkes zustandegekommen ist.

Kritik

Wer will entscheiden, ob die in der Folge des Sich-Einstellens auftretenden Schmerzen nicht Warnsignale des Körpers sind, die nicht übergangen werden dürfen?
Geistheilungen gehören zu den naturwissenschaftlich nicht beweisbaren Therapiemethoden. Dennoch versucht der Bruno Gröning-Freundeskreis, die Technik des "Einstellens " naturwissenschaftlich zu begründen. (Arme und Beine dürfen einander nicht berühren, weil sonst ein "Kurzschluss " auftritt.)
"Grönings Lehre lebt im und vom Christentum " wird behauptet. Um welche Art Christentum handelt es sich? (Die Antwort lautet meistens: "Gnostisches Christentum ".)
Vom engeren Kreis der Bruno Gröning-Freunde werden pessimistische Ansichten über das nahe Ende der Welt verbreitet. Dabei spielt die Gegend um Filzmoos in Österreich eine große Rolle. Im Berg "Bischofsmütze " soll sich Bruno Gröning nach seinem Tod zurückgezogen haben. Und von hier aus soll er seine Jünger am Tag des Jüngsten Gerichts retten.
Gröning wird glorifiziert. Der "Wirksamkeit" seines Heilsstroms sind keine Grenzen gesetzt. Sie sollen auch bei Arbeitslosigkeit, Appetitlosigkeit, schlechten Noten in der Schule und unfreundlichen Nachbarn helfen. Gröning wird zu einem "Allheilmittel" hochstilisiert.
Die therapeutischen Wirkungen sollen auf paranormalen Phänomenen beruhen, treten aber nicht unabhängig von psychosozialer Unterstützung auf, die zweifellos gewährt wird.