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Priesterjubiläum - Bischof Ägidius J. Zsifkovics

Silbernes Priesterjubiläum

„Es braucht nicht nur Lehrer, sondern Zeugen“

© APA

Am 29. Juni jährte sich die Priesterweihe von Bischof Ägidius J. Zsifkovics zum 25. Mal. Zu seinem Silbernen Priesterjubiläum erzählte er über seine frühe kirchliche Sozialisation in seiner Heimatpfarre und lud alle ein, sich als Diözesanfamilie den Herausforderungen der Zeit zu stellen.

Ein Interview des „martinus - Kirchenzeitung der Diözese Eisenstadt“ (Juni 2012)

Lieber Herr Bischof, üblicherweise werden jetzt zum Fest „Peter&Paul“ im Martinsdom junge Männer zum Priester geweiht. Dieses Jahr gibt es leider keinen Kandidaten. Wie geht es Ihnen dabei?

Es ist für mich sicher ein trauriger Moment, wenn es keine Priesterweihe gibt. Es ist so wie das Erntedankfest des Arbeitsjahres, wenn man auch Priester weihen kann. Aber ich denke, diese Herausforderung gilt der Kirche insgesamt und natürlich unserer Diözese im Besonderen. Wir sollten vielleicht noch mehr die Berufungspastoral und vor allem das Gebet um Geistliche Berufe noch mehr intensivieren. Wir werden heuer am Vorabend zum Fest „Peter&Paul“ ein Priesterfest feiern, wo vor allem auch die Priesterjubilare eingeladen sind. Da werden wir einen Dank- und Bittgottesdienst für Geistliche Berufe feiern.

Vor 25 Jahren sind Sie zum Priester geweiht worden. War es damals leichter als heute, „Ich bin bereit“ zur Berufung zu sagen?

Es ist zu jeder Zeit gleich schwer oder gleich leicht – wie man es nennen will. Aber vielleicht sind die Umstände, das Klima, die Atmosphäre ganz anders gewesen. Heute nach 25 Jahren sehe ich, dass diese Atmosphäre – ob in der Gemeinde, im Seminar oder in der Diözese – eine ganz andere gewesen ist, eine familiäre. Man stand dem Geistlichen Beruf positiv gegenüber. Ich will nicht sagen, dass es heute überall schlechter ist, aber es ist eine andere Situation, neue Herausforderung, vor allem mit den ganzen Skandalen der letzten Zeit und allem, was medial rund um Kirche und Priestertum geschieht.

Wie haben Sie damals Ihre Berufung verspürt?

Es gibt bei mir kein „Damaskuserlebnis“, ich bin von keinem Pferd gefallen oder so. Meine Berufungsgeschichte ist eng verbunden mit der Geschichte meiner Familie und meiner Pfarrgemeinde. Da habe ich zum ersten Mal erlebt, was Kirche bedeutet und was es heißt, als Getaufter und Gefirmter in der Kirche zu leben. Meine Eltern und Großeltern haben mir das sehr glaubwürdig vorgelebt. Ebenso die Pfarre, die war sehr lebendig, damals wie auch heute. Mein Heimatpfarrer Doktor Stubits, der spätere Leiter des kroatischen Pastoralamtes, war mir ebenfalls ein sehr gutes Vorbild und hat mich gemeinsam mit anderen Heimatpfarrern immer wieder auf diesen Weg hingewiesen.

Was könnte denn heute dieser Nährboden für Berufungen sein?

Ich sage bei den Visitationen im Gespräch mit dem Pfarrgemeinderat immer, dass dies ein Herzensanliegen sein muss. Ich weiß, niemand kann Priesterberufungen „machen“, aber sie können den Boden, das Umfeld dafür bereiten. Dazu muss man nicht geweiht sein, das kann ein jeder. Jeder Getaufte und Gefirmte hat dafür die Verantwortung, dass ein Klima des guten Umgangs miteinander und ein Klima des Gebetes und Eingebundenseins in die vielfältigen Tätigkeiten der Pfarrgemeinde herrscht. Wenn das glaubwürdig gelebt wird, bin ich überzeugt, dass es auch junge Menschen gibt, die Interesse zeigen und aufmerksam werden auf diesen Ruf.

25 Jahre Priester sein, das heißt auch 25 Mal Weihnachten feiern, 25 Mal zu Ostern predigen, immer wiederkehrende Situationen und mindestens Sonntag für Sonntag die Gemeinde zum Gottesdienst zu versammeln. Wie verhindert man eine Routine, die lähmt?

Es ist eine große Gefahr, dass man in die Routine verfällt. Es gibt aber auch ein gutes Mittel dagegen: dass man sich einerseits im Gebet auf die Sache einlässt, dass man selbst ein gutes Gebetsleben hat. Und zweitens, dass man sich offen auf die vielfältigen Menschen in der Pfarre einlässt. Dann kann es zu keiner Routine kommen: wenn man sein jeweiliges Gegenüber als einmaliges Geschöpf Gottes sieht. Das fordert einen heraus, dass man sich mit den Menschen, die einem anvertraut sind, auch wirklich beschäftigt. Jeder Mensch ist ein Geheimnis, jeder reagiert anders. Da kann man nicht mit Routine auf den anderen zugehen, da braucht man ein offenes Herz.

Was ist für Sie das Schöne am Priesterberuf?

Es ist so ein vielfältiger Beruf. Man hat mit so vielen unterschiedlichen Dingen und Menschen zu tun. Die Pastoral an den Lebenswenden – von der Wiege bis zur Bahre – so ein breites Tätigkeitsfeld hat selten ein Beruf. Man hat es mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun – von ganz einfachen bis zu intellektuell höchststehenden, von fernstehenden bis zu jenen, die die Kirche mittragen und sich voll engagieren.

25 Jahre... nach dieser langen Zeit sind viele Ehen leider schon in Brüche gegangen. Woraus haben Sie Kraft zum Durchhalten in schweren Zeiten geschöpft?

Wie in jedem Leben gibt es auch in einem Priesterleben ein Auf und Ab. Die Hauptkraft, aus der ich schöpfe, sind das Gebet, die Eucharistie, die Sakramente. Das ist das, warum wir Priester geworden sind. Das sind die Quellen, aus denen wir schöpfen. Und wer bei diesen Quellen bleibt, wer sich bemüht, da immer wieder an die Quelle zu gehen, dem gibt Gott auch die Kraft, dass er die Herausforderungen in dieser Zeit des Wandels meistert.

Was macht für Sie einen guten Priester aus?

Eine Qualifizierung, was gut oder weniger gut ist, fällt mir schwer. Was es heute braucht, und das ist dann auch ein guter Priester: wer glaubwürdig seine Sache nach außen hin vertritt. Es braucht heute nicht nur Lehrer, sondern vor allem Zeugen. Wenn diese innere Überzeugung mit dem äußeren Tun übereinstimmt, dann hat der Priester auch Glaubwürdigkeit bei den Menschen, dann findet er auch innere Zufriedenheit, und dann bringt auch die Arbeit sehr viel Frucht.

Seit knapp zwei Jahren sind Sie nun nicht nur Priester, sondern auch Bischof. Eine erste Rückschau?

Es ist noch eine sehr kurze Zeit, aber es war eine sehr intensive Zeit. Für mich persönlich war es eine Umstellung auf diesen neuen Dienst. In diesem Dienst hat es natürlich auch viele äußere Zeichen gegeben, wie etwa die ganzen Renovierungs- und Umbauarbeiten. Aber daneben ist es für mich sehr wichtig, dass es auch eine innere Neuausrichtung gibt. Immer wenn jemand neu beginnt, ist das wie bei einer Inventur, wo man sich hinstellt und fragt: Was ist gut, das man weiterträgt, und wo braucht es vielleicht neue Schwerpunkte, neue Visionen und Perspektiven.

Und welche konkreten Schwerpunkte sind das?

Gerade heuer wird es sehr stark beginnen mit dem „Jahr des Glaubens“, wo wir unsere Neuevangelisierung, unsere „Missionierung“ vorantreiben: dass wir das Evangelium den Menschen unserer Zeit des Umbruchs und der Herausforderungen verständlich, aber auch klar zum Ausdruck bringen und sie einladen, diesen Weg mitzugehen. Das „Jahr des Glaubens“ wird dazu sicher viele Möglichkeiten bieten. Einen weiteren besonderen Mittelpunkt wird das 100-Jahr-Jubiläum unseres Gründerbischofs Stefan László bilden sowie das 10-Jahr-Jubiläum der Seligsprechung von Ladislaus Batthyány-Strattmann. Das sind alles Möglichkeiten, den Glauben zu vertiefen und als Diözesanfamilie immer mehr zusammenzuwachsen, um miteinander den Weg zu gehen. Die Diözesanwallfahrt im Juli wird auch genau in diese Richtung ausgerichtet sein: dass wir als Diözesanfamilie gemeinsam in diese neue Zeit aufbrechen.

Nach der Diözesanwallfahrt gehts dann auf Urlaub. Wo wird Ihre Reise hingehen?

Einen Teil meines Urlaubs werde ich zuhause bei der Mutter verbringen, einen anderen Teil in Kroatien am Meer, wo ich immer wieder sehr gerne hinfahre.

Interview: Walter Fikisz